Test: Yeedi 2 Hybrid Saugroboter – ein Preis-Leistungs-Tipp?

Saug- und Wischroboter mit VSLAM-Kamera für unter 300 Euro 10 Min. lesen
Smart Home  / Leonardo Ziaja

Für Saugroboter gibt es verschiedene Ansätze zur Navigation durch Räume, entweder rein zufällig oder beispielsweise mit Laser-Sensorik. Auch mit einer Kamera auf der Oberseite können Saugroboter ihren Weg durch Wohnung und Haus finden, doch wie gut funktioniert das wirklich? Das haben wir mit dem Yeedi 2 Hybrid für euch getestet, einem vergleichsweise preisgünstigen Saugroboter mit Wischfunktion.

Der Yeedi 2 Hybrid ist zu einer UVP von 299,99 Euro erhältlich, allerdings nur bei Amazon.de*. Dort gibt es den Saugroboter jedoch immer mal wieder (und auch zum Testzeitpunkt) mit einem Rabattgutschein für lediglich 239,99 Euro*. Erste Saugroboter mit LiDAR-Sensorik (also Laser-Navigation) starten jedoch ebenfalls schon bei 300 Euro und sind preislich schon etwas gesunken, so wie beispielsweise der Dreame D9. Kann sich der Yeedi 2 Hybrid dennoch behaupten?

Im Lieferumfang des Saugroboters befinden sich zwei Seitenbürsten (farblich markiert), eine Ladestation inklusive Netzteil, der Wischaufsatz sowie ein Mehrwegwischtuch (Mikrofaser) und fünf Einwegwischtücher. Auch eine Bedienungsanleitung ist mit dabei, Ersatzteile wie Austauschbürsten oder ein zweiter HEPA-Filter sind hingegen nicht enthalten.

Design & Features

Wie mittlerweile so ziemlich jeder Saugroboter besitzt auch der Yeedi 2 Hybrid ein rundes Format. Die Oberseite ist komplett in weiß gehalten, auf der Front gibt es einen „Bumper“ mit schwarzer Hochglanzoptik – dieser zieht Verunreigungen und Kratzer jedoch schon nach kurzer Zeit an sich. Das simple Design gefällt dennoch und auch die Verarbeitung ist auf einem hohen Niveau.

Tatsächlich teilt der Yeedi 2 Hybrid einige Bauteile mit Saugrobotern von Ecovacs, so sind Ladestation, Staubbehälter und Bürsten komplett identisch. Das klingt jetzt vielleicht nach „copy cat“, doch warum nicht einfach bereits vorhandene Teile mit guter Qualität verbauen, die sonst in einem Saugroboter für mindestens 500 Euro stecken?

Statt LiDAR-Sensorik gibt es eine VSLAM-Kamera

Eine weitere Besonderheit zeigt sich auf der Oberseite, denn hier verzichtet Yeedi auf eine LiDAR-Sensorik. Damit die Reinigung dennoch möglichst präzise und effizient abläuft, hat sich der Hersteller für eine VSLAM-Kamera („Visual Simultaneous Localization and Mapping“) mit Sicht nach oben entschieden. Sie sorgt für eine Raumerkennung und ermöglicht so eine gezieltere Reise durch die Wohnung oder das Eigenheim. Wie gut das in der Praxis klappt, klären wir später. Einen Vorteil hat der fehlende Laser-Turm jedoch: der Saugroboter ist lediglich 7,7 Zentimeter hoch und passt so unter Möbelstücke, bei denen andere Saugroboter hängen bleiben würden. Im Übrigen soll kein Bildmaterial der Kamera abgespeichert werden bzw. es wird direkt wieder gelöscht.

Zur Reinigung ist der Yeedi 2 Hybrid mit insgesamt drei Bürsten ausgestattet, darunter eine zentrale Rollbürste sowie zwei rotierende Seitenbürsten. Der Staubbehälter bietet ein Fassungsvermögen von knapp 420 Millilitern. Sehr praktisch ist hierbei der Tragegriff, der gleichzeitig auch als Fixierung im Saugroboter fungiert. Der HEPA-Filter ist direkt in der Öffnungsklappe integriert, die sich über eine einfache Entriegelung schnell über dem Mülleimer öffnen und wieder schließen lässt. Bei anderen Saugern muss beispielsweise erst der Filter per Hand entnommen werden, bevor der Staubbehälter entleert werden kann.

Abnehmbare Wischplatte mit unterschiedlichen Wischtüchern

Im hinteren Bereich des Saugroboters  lässt sich auf der Unterseite eine Wischplatte anbringen, die ab Werk mit einem Mehrwegtuch (blau) bestückt ist. Im Lieferumfang befinden sich jedoch auch fünf Einwegwischtücher (weiß), die angesichts des bereits vorhandenen Mehrwegstuchs vor allem aus Umweltsicht nicht wirklich Sinn machen. Wir hätten uns da eher ein zweites Mikrofasertuch gewünscht. Wasser erhält die Wischplatte über den rückseitigen Wassertank, der bis zu 240 Milliliter aufnehmen kann.

Zum manuellen Start und Stopp gibt es einen Powerbutton auf der Oberseite, auf weitere Knöpfe verzichtet der Hersteller und packt den Großteil der Funktionen in die Yeedi-App. Unter der Haube finden sich jedoch noch ein Power-Switch zum vollständigen Ausschalten des Saugers, eine WLAN-Status-LED und sowie ein kleiner Reset-Knopf. Der integrierte 5.200 mAh Akku soll laut Hersteller für bis zu 200 Minuten Reinigungszeit ausreichen, bis der Saugroboter wieder an die Ladestation muss. Diese ist übrigens mit einem Kabelmanagement auf der Rückseite ausgestattet und kann das mehr als ausreichend lange Stromkabel gut verstecken.

Einrichtung und Yeedi-App

Der Yeedi 2 Hybrid wird überwiegend mit der dazugehörigen Yeedi-App gesteuert, sie lässt sich sowohl für Android- als auch iOS-Smartphones nutzen. Allerdings läuft die App auf beiden Systemen nicht ganz sauber, hier und da gibt es noch Probleme – doch fangen wir ganz vorne an. Zunächst einmal wird ein Account benötigt, in dem euer neuer Yeedi Saugroboter hinterlegt wird. So habt ihr von jedem Gerät aus Zugriff auf die Steuerung, sobald ihr euch angemeldet habt.

Ganz grundlegend ist die App übersichtlich aufgebaut, sieht zudem schick aus und hält viele Funktionen für den Saugroboter bereit. Die Einrichtung verlief überraschend einfach, der Yeedi 2 Hybrid kann dabei einen auf dem Smartphone-Display angezeigten QR-Code über die Kamera einscannen. Im Anschluss kann auch schon die erste Fahrt losgehen, insgesamt empfiehlt Yeedi 3-5 Fahrten für eine möglichst präzise Karte. Erst dann werden Funktionen wie die Festlegung virtueller Grenzen oder die Beschriftung von Räumen freigegeben. Eine Unterscheidung mehrerer Stockerwerke ist mit der Yeedi-App leider nicht möglich.

Ausbaufähig: Android- und iOS-App nicht immer immer zuverlässig

Ein sehr feines Detail: ihr könnt Räume (hier Bereiche genannt) mit einem Icon versehen und zum Beispiel als „Wohnzimmer“ oder „Küche“ identifizieren. Problem ist nur, dass die App unter Android andauernd abstürzt, sobald die Kartenverwaltung geöffnet wird. Erst als wir die iOS-App auf einem iPhone zur Vervollständigung der Karte genutzt haben, ließ sich auch auf unseren Android-Testgeräten (Oppo Find X2 Pro, Oppo Find X3 Pro, ASUS ZenFone 8) die Karte ohne Probleme nutzen. Dafür haben wir mit der iOS-App jedoch des Öfteren Verbindungsfehler erhalten, die nach dem Starten einer Reinigung aufkamen und zu einem verzögerten Start des Saugroboters führten.

Die erstellte Karte wird immer in der Mitte dargestellt, im unteren Bereich ist dann die allgemeine Steuerung hinterlegt. Neben dem standardmäßigen Auto-Modus, bei dem der Sauger einmal „Alles“ reinigt, gibt es auch die Bereichsreinigung (einzelne Räume) sowie die benutzerdefiniterte Reinigung (ausgewählte Bereiche auf der Karte).  Mit einem „Swipe“ nach oben kommen dann noch die Reinigungsdatensätze (eine Art „Fahrtenbuch“), die Einstellung der Saugkraft und der Reinigungsplan zum Vorschein. Übrigens: die Wassermenge könnte ihr erst einstellen, wenn der Wischaufsatz angebracht ist – ansonsten bleibt diese Einstellung versteckt.

Darüber hinaus lässt sich die Lautstärke und Sprache der Audiomeldungen sowie weitere Reinigungseinstellungen anpassen. Dazu zählen unter anderem ein Nicht-Stören-Modus sowie die Reinigungssequenz, der Yeedi-Saugroboter kann die Reinigung hierbei nach gewünschter Raum-Reihenfolge durchführen. Eine manuelle Steuerung per Pfeiltasten ist nicht möglich.

Praxistest und Eindrücke

Zu Beginn unseres Praxistests waren wir ein wenig enttäuscht, da der Yeedi 2 Hybrid mindestens drei Reinigungsläufe braucht, bis eine vollständige Karte der Räumlichkeiten vorhanden war. Im Nachhinein müssen wir jedoch sagen: die Reinigung wird von Mal zu Mal besser und die drei Anläufe für die Karte lohnen sich, denn so ganz ohne Laser-Sensorik braucht der Saugroboter nun mal etwas mehr Zeit, um sich zuverlässig orientieren zu können.

Die Saugleistung liegt laut Hersteller bei bis zu 2.500 pA, in der App lassen sich drei Leistungsstufen einstellen. Bereits in der Standard-Stufe sorgt der Yeedi 2 Hybrid für eine sorgfältige Reinigung, doch erst in der Maximal-Stufe nimmt der Saugroboter auch wirklich Alles auf seinem Weg mit. Das dritte Level „Maximum+“ hingegen sorgt nicht wirklich für noch mehr Performance. Die Lautstärke lässt sich auf der niedrigsten Stufe mit ca. 53 dB noch als angenehm bezeichnen, im Maximum-Modus ist der Sauger mit knapp 62 dB schon wieder ein gutes Stück lauter unterwegs.

Video: Praxiseinsatz im Redaktions-Parcours

In unserem Praxiseinsatz in einer 3-Zimmer-Wohnung mit 65 m² reinigte der Yeedi 2 Hybrid laut App effektiv 36 m² in 69 Minuten. Die Konkurrenz mit LiDAR-Sensorik, beispielsweise der Roborock S6 MaxV oder Eufy Robovac L70 Hybrid, schafften die identische Fläche in knapp 50-55 Minuten. Die Laufzeit ist natürlich aber auch von den Begebenheiten in euren Räumlichkeiten abhängig (Raumaufteilung, Größe der Räume, etc.). Im Testparcours bei uns in der Redaktion (siehe Video) brauchte der Saugroboter rund 13 Minuten für den allerersten Lauf (ohne Karte), mit erstellter Karte (effektiv der vierte Lauf) reduzierte sich die Zeit bereits auf 6 Minuten. Dabei hat der Sauger jedoch eine Ecke etwas links liegen gelassen.


Eine Teppicherkennung hat der Saugroboter leider nicht, es lassen sich jedoch immerhin „No-Go“-Zonen speziell für den Wischmopp einstellen. Euer Teppich wird daher nicht mit mehr Leistung gereinigt, wird beim Wischen allerdings – sofern ihr das einstellt – auch nicht durchnässt. Apropos, die Wischfunktion ist nicht vollends überzeugend. Wie bereits bei anderen Saugrobotern mit Wischmopp kann auch der Yeedi 2 Hybrid keinen Druck auf den Boden ausüben. Das Feature eignet sich also eher zum feuchten Staubwischen, etwas hartnäckigere Verunreinigungen werden damit aber nicht beseitigt.

Eingebettete Kamera statt Laser-Turm, die bessere Wahl?

Die Navigation könnte hier und da etwas Feintuning vertragen. Die Route wird zwar von Fahrt zu Fahrt präziser, allerdings ist da noch Potenzial vorhanden. Teilweise fährt der Saugroboter sehr vorsichtig an Wände oder höhere Möbel heran, bei Gegenständen unter Kniehöhe rast er jedoch auch mal mit „voller Kanne“ dagegen. Stühle, Kartons oder leichtere Gegenstände werden im Allgemeinen gern mal etwas verrückt. Die Nahbereichssensoren arbeiten also noch nicht so konstant, wie wir es uns wünschen würden.

Wenn sich der Saugroboter festfährt, muss er natürlich per Hand befreit werden. Anschließend kann er die Reinigung fortsetzen, sofern die Kamera den veränderten Standort in etwa nachvollziehen kann. Falls nicht, beginnt die komplett Reinigung von vorn – das kann ärgerlich sein. Zudem scheint sich der Roboter nicht zu merken, an welcher Stelle er sich festgefahren hat und fuhr sich gleich mehrmals an der identischen Stelle fest.

Ein Nachteil der VSLAM-Kamera: sie kann nur mit Licht arbeiten. Ist das Licht aus oder die Lichtbedingungen einfach zu schlecht, verweigert der Saugroboter die Reinigung und fährt zurück zur Ladestation. Positiv fallen allerdings die gummierten Räder auf, die selbst auf Fließen vergleichsweise ruhig sind und sogar Steigungen von bis zu 2 Zentimeter (bspw. ein Holzbrett) erklimmen können. Ein weiterer Vorteil ist die vergleichsweise flache Form, denn so kommt der Yeedi 2 Hybrid unter mehr Möbel als die Konkurrenz mit Laser-Sensoren.

Preisvergleich

Fazit

Der Yeedi 2 Hybrid hinterlässt etwas gemischte Gefühle bei uns. Der Saugroboter kann zwar mit einer soliden Saugleistung punkten, die Navigation ist jedoch noch ausbaufähig. Die VSLAM-Kamera ist generell kein schlechter Ansatz und sorgt unter anderem für eine geringere Bauhöhe, kann jedoch nicht wirklich mit der LiDAR-Technik mithalten. Der Yeedi 2 Hybrid findet definitiv durch die Wohnung und reinigt sorgfältiger als Modelle mit reinem Chaos-Prinzip, Saugroboter mit Laser-Sensorik sind aber etwas schneller fertig.

Darüber hinaus ist leider keine Teppicherkennung mit an Bord, der Wischmopp ist zudem nur für ein sanftes Staubwischen geeignet. Dafür gefällt uns das simple Design, die gute Verarbeitung und die übersichtliche, umfangreiche App. Doch auch hier sollte Yeedi definitiv nochmal Hand anlegen und die Anwendung mit Updates für eine stabile, fehlerfreie Nutzung optimieren.

Preislich liegt der Yeedi 2 Hybrid bei 299 Euro UVP, ist zum Testzeitpunkt über einen Rabattgutschein bei Amazon jedoch bereits für 240 Euro* bestellbar. Wer also auf der Suche nach einem günstigen Saugroboter ist, der im besten Fall nur ein, zwei Räume reinigen muss, kann problemlos zum Yeedi 2 Hybrid greifen. Für größere und vielleicht etwas schwieriger geschnittene Räumlichkeiten lohnt sich definitiv der Aufpreis zu einem Saugroboter mit LiDAR-Sensoren – beispielsweise der Dreame D9 (Test) für ca. 300 Euro. Mit Coupon ist der Yeedi 2 Hybrid somit durchaus empfehlenswert, zum UVP-Preis gibt es jedoch bessere Alternativen.

Pro

  • solide Saugleistung
  • gute Akkulaufzeit
  • umfangreiche App mit Karte, Raumaufteilung und Mehr
  • geringe Bauhöhe

Contra

  • keine Teppicherkennung
  • App nicht fehlerfrei (sowohl unter Android als auch iOS)

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