Soundcore Space Q45 im Test: Abermals Preis-Leistungs-Sieger?

Guter ANC-Kopfhörer für 150 Euro

Die beliebtesten Bügelkopfhörer mit Active Noise Cancelling kosten durchschnittlich über 300 Euro, doch Ankers Audiomarke bietet mit dem Soundcore Space Q45 eine vielversprechende Alternative für 150 Euro an. Ob der Q35-Nachfolger wieder überzeugen kann, klären wir im Testbericht.

Übersicht

Seit Ende August 2022 gibt es den Soundcore Space Q45 für 149,99 Euro zu kaufen. Er folgt auf die empfehlenswerten Q-Modelle der Life-Serie, welche mit jeder Generation stetig im Preis gestiegen sind. Der Q20 (Test) erschien einst für 59,99 Euro, der Q30 (Test) für 89,99 Euro und der Q35 für 129,99 Euro. Eigentlich würde der Neuzugang mit älteren Top-Modellen wie dem Bose QC 35 II und Sony WH-1000XM3 preislich konkurrieren, jedoch sind diese kaum noch verfügbar oder aufgrund der Inflation deutlich teurer geworden. 

In der Preisklasse bis 200 Euro gibt es neben Ankers Q45 und dem inzwischen auf knapp 90 Euro gesunkenen Vorgänger etwa den Bowers & Wilkins PX5 und Jabra Elite 85. Die fünf beliebtesten Over-Ear-Kopfhörer mit ANC kosten laut Preisvergleichsportal Idealo zum Testzeitpunkt zwischen 225 und 499 Euro. Der Space Q45 möchte sich gegen Premium-Optionen von Sony, Bose sowie Sennheiser behaupten, muss aber zugleich den Aufpreis gegenüber dem Life Q35 rechtfertigen.

Design und Tragekomfort

Optisch hat sich im Vergleich zum Vorgängermodell nur wenig geändert. Die Verbindung zwischen Hörer und Bügel wurde überarbeitet, zudem gibt es einen neuen Aufziehmechanismus zum Verstellen der Bügelgröße. Letzterer fühlt sich dezent hochwertiger an. Generell wirkt das Design nun mehr wie aus einem Guss, jedoch kommt der Space Q45 nicht ganz an die edle Verarbeitung des Sony WH1000XM4 und XM5 heran. 

Negativ fiel auf, dass das Bügelpolster dünner als zuvor ausfällt, denn dadurch drückte das neue Modell nach einiger Tragezeit etwas am Kopf. Des Weiteren sind die Ohrenpolster zwar geräumig, weich und auch der Anpressdruck stimmt, aber sie dürften etwas atmungsaktiver sein – die Ohren werden schnell warm. Bislang bietet Soundcore den rund 290 Gramm wiegenden Kopfhörer lediglich in Schwarz an, wohingegen beim Life Q35 (Test) auch Blau und Rosa zur Auswahl stehen. 

Die zugehörige Transporttasche hat keine Stoffoberfläche mehr, sondern weist gummiertes Finish auf. Da sich der Kopfhörer zusammenfalten lässt, ist die Tasche erfreulich kompakt. Eine Innentasche für die Lade- sowie Audiokabel wäre allerdings wünschenswert gewesen und ein Flugzeugadapter liegt auch nicht mehr bei.

Bedienung

Bis auf das Design der Lautstärketasten und der Tastenplatzierungen hat sich hinsichtlich der grundlegenden Bedienung nichts geändert. Die Start/Stopp-Taste, Lautstärkewippe sowie ein Klinkenanschluss befinden sich am rechten Hörer, während gegenüber eine USB-C-Buchse, die Modustaste und Power-Taste sitzen. Gestrichen wurden indes das Touch-Bedienfeld zum schnellen Aktivieren des Transparenzmodus, NFC zum Koppeln und die Trageerkennung. Besonders letztere Einsparung machte sich im Testeinsatz negativ bemerkbar und ist angesichts des gestiegenen Preises unverständlich. Die Unterstützung für Bluetooth Multipoint, also das gleichzeitige Verbinden mit zwei Geräten, ist erfreulicherweise geblieben. Die Funktion wird allerdings bei ausgewähltem LDAC-Codec deaktiviert.

Neuerdings schaltet ein Doppelklick der Modustaste das sogenannte BassUp-Preset ein oder aus. Hat man allerdings in der Soundcore-App nicht das Standard-Soundprofil “Soundcore Signature”, sondern eine der über 20 Alternativen ausgewählt, wechselt der Kopfhörer bei aktivem BassUp zum Standard-Profil zurück, bis das Preset wieder abgeschaltet wird. Es entfaltet seine volle Wirkung ohnehin nur im ANC- oder Transparenzmodus. 

In der App lassen sich diese beiden Modi in je fünf Stufen anpassen. Beim ANC-Menü steht zudem die Option „adaptive Geräuschunterdrückung“ und beim Transparenzmodus die Option „Sprechmodus“ zur Auswahl – der Sprechmodus verringert die Musiklautstärke auf ein nicht veränderbares Niveau. Wer die Geräuschunterdrückung draußen verwendet, sollte in den App-Einstellungen übrigens die Windgeräuschreduzierung aktivieren.

Akkulaufzeit

Eine der größten Verbesserungen ist die gestiegene Akkulaufzeit. Der Kopfhörer hält laut Herstellerangabe bis zu 50 Stunden mit ANC und bis zu 65 Stunden ohne aus. Das Vorgängermodell kam maximal auf 40 beziehungsweise 60 Stunden und überbot damit die Konkurrenz schon deutlich. Gemessen wurde bei Soundcore jeweils mit 60-prozentiger Lautstärke. Unseren Testeindrücken zufolge wirken die Werte realistisch. Der relativ neue und wesentlich teurere Sennheiser Momentum 4 Wireless wird mit bis zu 60 Stunden bei eingeschaltetem ANC und 50-prozentiger Lautstärke beworben. Trotzdem ist der Space Q45 ein absoluter Dauerläufer, bei dem man sich über die Akkuladung in der Praxis keine Gedanken machen muss. 

Ein vollständiger Ladevorgang nimmt circa zwei Stunden in Anspruch. Dank Schnelllade-Unterstützung genügen fünf Minuten am USB-C-Kabel, um wieder für vier Stunden Musik hören zu können. Der einzige Wermutstropfen ist, dass sich der Kopfhörer während des Ladevorgangs nicht benutzen lässt. Ausgeschaltet oder mit leerem Akku besteht immerhin die Möglichkeit, den Q45 analog per Klinkenkabel zu verwenden.

Klangqualität und Noise Cancelling

Anker verbaut wieder zwei dynamische 40-Millimeter-Treiber, doch die Bluetooth-Eigenschaften des Kopfhörers haben sich geändert. Statt Bluetooth 5.0 weist das neue Modell Bluetooth 5.3 auf. Neben SBC und AAC unterstützt auch der Q45 den hochauflösenden Codec LDAC, nur aptX gibt es leider nicht mehr. Die allermeisten Android-Smartphones können mit LDAC funken, daher ist der Wegfall von aptX nicht sonderlich gravierend. Wer wiederum ein iPhone nutzt, muss sich sowieso mit SBC und AAC zufriedengeben. Sofern man nicht lokale FLAC-Dateien oder unkomprimierte Musik von Tidal hört, dürfte ohnehin kein Unterschied zwischen diesen Codecs festzustellen sein. Während des Tests wurde der Space Q45 meist mit einem iPhone 13 Pro und Spotify genutzt. Für den LDAC-Test kam hingegen ein Huawei Mate 20 Pro mit einigen FLAC-Alben zum Einsatz.

Bluetooth-CodecDatenrateAbtastrateSamplingtiefe
AAC250 kbit/s48 kHz16 Bit
SBC345 kbit/s48 kHz16 Bit
aptX354 kbit/s48 kHz16 Bit
aptX HD576 kbit/s48 kHz24 Bit
LDACmax. 990 kbit/s (adaptiv)96 kHz32 Bit

Abermals ist ein nicht unwesentlicher Klangunterschied zwischen dem normalen Modus und ANC-Modus zu vermerken. Im ANC-Modus wummert der Bass stärker, aber nicht übertrieben, sofern BassUp inaktiv bleibt. Während des Direktvergleichs mit dem Vorgänger fiel auf, dass die Höhen beim Q45 definierter sind, der Q35 im unteren Frequenzbereich aber etwas voller klingt. Bei niedrigen Mitteltonfrequenzen schwächelt das neue Modell zuweilen und in manchen Liedern klingen die Höhen zu schrill, was sich aber mit einem benutzerdefinierten Equalizer-Profil ausgleichen lässt. Insgesamt klingt der diesjährige Kopfhörer mit Werkseinstellungen dezent besser, aber der Unterschied ist so gering, dass ihn viele beim Blindtest wohl nicht bemerken würden.

Die aktive Geräuschunterdrückung hat der Hersteller wiederum nennenswert optimiert. Schon beim Q35 war sie alles andere als schlecht, doch neuerdings filtert sie Störgeräusche noch effektiver. Fahrtgeräusche eines ICEs oder das Getümmel von Berlins Straßen rückten in den Hintergrund und verschwanden bei mindestens 25-prozentiger Musiklautstärke völlig. Das Druckgefühl im Innenohr kann auf Dauer für manche allerdings unangenehm werden – in solchen Fällen sollte man die ANC-Stufe in der App verringern.

Von den drei verbauen Mikrofonen werden zwei ebenfalls bei Anrufen oder Sprachnachrichten verwendet. Weiterhin klingt die eigene Stimme etwas blechern sowie entfernt, aber Nebengeräusche werden gut gefiltert und für einen Kopfhörer dieser Preisklasse ist die Mikrofonqualität zufriedenstellend. Der Transparenzmodus funktioniert auf höchster Stufe ebenso solide, nur klingen Stimmen und Außengeräusche dabei weiterhin nicht natürlich.

Fazit

Die Anker-Audiomarke hat mit dem Soundcore Space Q45 erneut einen starken ANC-Kopfhörer mit gutem Gesamtpaket abgeliefert, das kaum schlechter als bei doppelt so teuren Alternativen ist. Am Tragekomfort und der Verarbeitung gibt es nahezu nichts auszusetzen, die Akkulaufzeit ist enorm und Klang sowie Noise Cancelling passen ebenfalls für den Preis. 

Allerdings weist der Q45 nur wenig Vorteile und in einigen Aspekten sogar Rückschritte gegenüber dem wesentlich günstigeren Life Q35 auf. Wer mehr auf sein Budget achten muss, sollte vorerst also eher zum Q35 greifen oder warten, bis es die Nachfolger im Angebot gibt. In der ANC-Kopfhörerklasse bis 200 Euro stellt der Space Q45 aktuell dennoch eine exzellente Wahl dar.

Audio
Allround-PC.com Award
10/2022
Soundcore Space Q45
Empfehlung

Pro

  • gute Geräuschunterdrückung
  • sehr lange Akkulaufzeiten
  • viele Anpassungsmöglichkeiten beim Klangprofil
  • solider Klang
  • Bluetooth 5.3, LDAC und Multipoint-Unterstützung

Contra

  • deutlicher Aufpreis zum Vorgänger
  • kein aptX-Codec mehr
  • keine Trageerkennung mehr

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Tim Metzger

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