Amazfit GTR 3 Pro und GTS 3: Smartwatches mit Zepp OS ausprobiert

Was hat das Gadget-Duo zu bieten?
Amazfit  / Jonathan Kemper

Neben Wear OS von Google und watchOS von Apple gibt es noch andere Systeme im großen Teich der Smartwatches, die Beachtung verdienen. Wir haben daher mal einen Blick auf die neusten Wearables von Amazfit geworfen – die GTS 3 Pro und GTS 3. Was hat das smarte Duo zu bieten?

Gerade als Nutzer eines Android-Smartphones gibt es eine ganze Reihe von Smartwatches, die vom Handgelenk aus den Alltag bereichern können. Während die Welt gespannt auf den Release von Wear OS 3 wartet, gibt es schließlich noch weitere Betriebssystem-Optionen. Eine davon hört auf den Namen Zepp OS und kommt auf den Gadgets der Marke Amazfit zum Einsatz.

Die Marke hat sich in den letzten Jahren einigermaßen auf dem Markt etabliert und gehört zum Unternehmen Huami, welches wiederum Teil des Xiaomi-Imperiums ist und zum Beispiel das überaus erfolgreiche Mi Band (Testbericht) produziert. Nicht nur in China, sondern auch in Deutschland sind verschiedene Modelle erhältlich. Die jüngste Generation besteht aus der Amazfit GTR 3, der GTR 3 Pro und der GTS 3.

GTR und GTS – Wo liegen die Unterschiede?

Die letzten beiden Smartwatches haben wir uns für euch mal etwas näher angeschaut und uns einen guten Ersteindruck verschafft. Dabei geben die Namen schon einen Hinweis auf den größten Unterschied. Das “R” lässt sich mit “round” übersetzen, das “S” mit “square”. Die Amazfit GTS 3 stellt damit eine der wenigen Smartwatches abseits der Apple Watch dar, die mit einem quadratischen Display ausgestattet ist. Zwar kann man dem Unternehmen sicherlich nicht direkt vorwerfen, dass man sich bei der Uhr aus Cupertino inspiriert hat, auf den ersten Blick sieht die GTS 3 einer Apple Watch aber zum Verwechseln ähnlich – vernachlässigt man mal den mittig statt weiter oben platzierten Knopf an der Seite.

Warum es nur ein Pro-Modell der GTR 3 und nicht auch der GTS 3 gibt, lässt sich jedoch nur schwer nachvollziehen. Sicherlich haben die Produktentwickler genau abgewogen, wie groß die Nachfrage nach quadratischen Smartwatches ist und sich dann gegen eine GTS 3 Pro entschieden. Schließlich sollte allein die Marktdominanz runder Smartwatches ein gutes Indiz dafür sein, was sich die Nutzer wünschen. Die Unterschiede zwischen den Modellen sind jedenfalls so komplex, dass der Hersteller eine eigene Grafik bereitstellt, die beim Entscheidungsprozess helfen soll.

Bild: Amazfit

Ausstattung und Verarbeitung

Die Amazfit GTR 3 Pro und GTS 3 kommen also unter anderem mit der gleichen “Ultra-HD”-Auflösung von 480 x 480 Pixeln und der identischen Akkulaufzeit von maximal zwölf Tagen bei moderater Nutzung daher. Und das, obwohl der Akku in der GTS 3 beinahe halb so groß ist wie der in der Amazfit GTR 3 Pro. Egal, ob rund oder quadratisch, in beiden Fällen liefert der Bildschirm eine scharfe Anzeige, sodass sich einzelne Pixel kaum erkennen lassen. Nur die GTR 3 Pro ist jedoch mit Features wie einem internen Musikspeicher von 2,3 Gigabyte, Wi-Fi, einem Lautsprecher und Support für Bluetooth-Anrufe versehen.

Vermutlich dank des kleineren Akkus bringt die GTS 3 jedoch deutlich weniger auf die Waage (24,4 statt 32 Gramm) – was in diesen Maßstäben allerdings keine ernsthafte Rolle spielt. Als “schwer” lässt sich die GTR 3 Pro nämlich wahrlich nicht bezeichnen. Trotzdem kann sie mit einer hochwertigen Verarbeitung ihres Gehäuses, das laut Hersteller aus einer Flugzeugaluminiumlegierung besteht, einen positiven Eindruck hinterlassen. Auch die Amazfit GTS 3 kann hinsichtlich Verarbeitungsqualität punkten. Geladen werden beide Uhren über den beiliegenden Adapter, der magnetisch an der Uhrunterseite angebracht wird.

Drehbare Krone zum Scrollen

Beide Uhren sind mit einer sogenannten Krone an der Seite des Gehäuses ausgestattet. Der drehbare Knopf erleichtert die Bedienung vor allem, wenn es darum geht, durch lange Listen zu scrollen. Die GTR 3 Pro hat dem quadratischen Modell einen zweiten Knopf voraus, der standardmäßig direkten Zugriff auf die mehr als 150 verschiedenen Trainingsarten gibt, in der App aber beliebig belegt werden kann.

Um die Spezifikationen zumindest kurz zu umreißen: Wie es sich für eine Smartwatch dieser Tage gehört, sind ein Herzfrequenzsensor und ein SpO2-Sensor (Blutsauerstoff) an Bord. Sportler freuen sich außerdem über die Unterstützung mehrerer GPS-Systeme, neben dem NAVSTAR-Standard konkret GLONASS, Galileo, BeiDou und QNSS.

Zepp OS und Einrichtung

Doch genug der technischen Daten, mit der Software steht und fällt alles bei einer Smartwatch. Eine umso größere Rolle spielt diese, wenn es sich – wie in diesem Fall – um eine proprietäre Lösung handelt. Die GTR 3 Pro und GTS 3 sind die ersten Smartwatches des Herstellers, die auf das neue Zepp OS setzen. Das ist der Nachfolger von Amazfit OS und verbraucht nach Angaben des Herstellers deutlich weniger Speicher und Energie. Es verbindet sich sowohl mit Android-Smartphones als auch iPhones, wofür zunächst die entsprechende Zepp-App installiert werden muss. Die Einrichtung per angezeigtem QR-Code auf der Uhr und Bluetooth ist im Test problemlos vonstattengegangen.

Benachrichtigungen

Eine der wichtigsten Funktionen einer Smartwatch ist die Weiterleitung von Benachrichtigungen aufs Handgelenk, um dann schnell entscheiden zu können, ob es sich lohnt, das Smartphone aus der Hosentasche zu ziehen. Praktischerweise lässt sich in der App haargenau einstellen, welche Anwendung dann auch Benachrichtigungen schicken darf und welche nicht. Standardmäßig sind alle Apps deaktiviert, sodass man diese Einstellung bald nach der Einrichtung vornehmen sollte. Ärgerlicherweise werden jedoch unter iOS und Android nicht alle Emojis unterstützt, sodass diese in Benachrichtigungen teilweise durch leere Kästen ersetzt werden. Das erinnert uns ein wenig an Huaweis Betriebssystem, beispielsweise bei der Watch GT 2 Pro (Test).

Watchfaces

Die App ist aber nicht nur für die Kopplung notwendig, sondern auch sonst die zentrale Anlaufstelle, wenn es um Anpassungen der Smartwatch geht. Allem voran: Das Watchface. Gegenüber anderer China-Hersteller wirken die Zifferblätter erfrischend hochwertig und auch die Auswahl ist erstaunlich groß. Es gibt aufs Wesentliche reduzierte Watchfaces in digitaler wie analoger Ausführung, des Öfteren auch mit einer Wettervorhersage der nächsten Tage oder einer Fitnessanzeige. Sobald ein weiteres Watchface über die App heruntergeladen wurde, kann es auf der Uhr einfach durch langes Drücken auf den Bildschirm gewechselt werden. Eigene Watchfaces können allerdings nicht gestaltet werden, man ist also auf das Angebot in der App beschränkt.

App Store

Abgesehen von der Vielfalt der Watchfaces überrascht Amazfit auch mit einem “App Store”, über den die Uhr mit weiteren Funktionen versorgt werden kann. “App Store” in Anführungszeichen, weil das Angebot (aktuell) mit gerade einmal 12 Anwendungen, darunter beispielsweise ein BMI-Rechner, eine Trinkerinnerung oder eine Anleitung zum korrekten Zähneputzen, nicht nur sehr überschaubar, sondern auch nur so semi-hilfreich ist.

Drittanbietern steht die Plattform außerdem nicht ohne Weiteres offen, auch wenn GoPro hier eine Software zur Steuerung seiner Kameras anbietet. Bei Dingen wie “Watch Storage Space”, einer App, die Auskunft über die Speicherplatznutzung gibt, fühlt es sich zudem so an, als sollte man sie nicht extra herunterladen müssen. Vermutlich hat Amazfit aber auch erst auf diesem Wege erreicht, den Speicherbedarf von Zepp OS zu reduzieren.

Anpassbarkeit

Die Zepp-App auf dem Smartphone ist recht gut gestaltet und sogar auf Deutsch nutzbar, die Übersetzung ist dabei aber etwas missglückt. Deshalb erschließt sich nicht immer auf den ersten Blick, welche Funktion sich hinter welcher Schaltfläche versteckt. In der App werden so gut wie alle Einstellungen vorgenommen, unter anderem jene, welche Inhalte beim Wischen von links nach rechts (oder andersherum) auf der Uhr angezeigt werden sollen.

Die Individualisierbarkeit ist allgemein hoch. Wer die Uhr hauptsächlich zur sportlichen Betätigung verwenden will, kann sich zum Beispiel alle dafür nötigen Widgets aufs Display legen und alle anderen ausblenden. Wer um Sport lieber einen großen Bogen macht, schmeißt die Fitness-Bildschirme eben raus.

Amazon Alexa

Zu guter Letzt seien noch ein paar Worte zu Alexa: Die Verknüpfung mit Amazons Sprachassistent lief zwar nicht auf Anhieb problemlos. Hat man sich jedoch einmal erfolgreich in der App mit seinem Amazon-Konto eingeloggt, reagiert die Uhr nach langem Druck auf die Krone in der Regel in weniger als einer Sekunde. Dass Alexa am Handgelenk zur Verfügung steht, ist besonders für Smart-Home-Nutzer praktisch, die nicht in jedem Raum der Wohnung einen entsprechenden Smart Speaker untergebracht haben. Obwohl die GTR 3 Pro mit einem Lautsprecher ausgerüstet ist, antwortet der Assistent nicht hörbar auf Anfragen, sondern nur mit einer Textnachricht auf dem Bildschirm.

Farben und Armbänder

Amazfit verkauft die GTR 3 Pro in zwei Varianten, entweder mit roségold angehauchtem Gehäuse und braunem „Leder“-Armband oder mit dunkelgrauem Gehäuse und schwarzem Band. Die GTS 3 ist mit hellem Gehäuse in Kombination mit einem creme- sowie einem rosafarbenen Band oder mit dunklem Gehäuse und schwarzem Band verfügbar. In beiden Fällen lässt sich das 22-Millimeter-Armband aber nach Belieben durch eines von Drittherstellern austauschen.

Fazit

Amazfit hat mit seinen jüngsten Smartwatches unter Beweis gestellt, dass es eben nicht immer Wear OS sein muss. Der veranschlagte Preis von rund 150 Euro für die Amazfit GTS 3 und 190 Euro für die Amazfit GTR 3 Pro wirkt fair. Gegen einen geringen Aufpreis muss sie sich inzwischen jedoch auch schon mit Konkurrenten wie der Samsung Galaxy Watch 4 messen. Die Uhr punktet mit einem großen Funktionsumfang, einer hochwertigen Verarbeitung und einem ausdauernden Akku. Wer einen smarten Begleiter am Arm sucht, macht – unabhängig vom verwendeten Smartphone – nicht viel falsch.


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