Das Fractal Design 7 Compact ist eine geschrumpfte Version des bekannten Hauptmodells, doch nicht nur das Gehäuse, sondern auch der Preis fällt geringer aus. Ist der kompaktere Midi-Tower vielleicht sogar die bessere Wahl oder gibt es zu viele Kompromisse? Das klären wir in diesem Testbericht.

Übersicht

Das Define 7 Compact erschien im Juni 2020 in Deutschland. Fractal Design bietet das Gehäuse in drei Varianten an. Mit gedämmter Stahlseite beträgt die unverbindliche Preisempfehlung 109,99 Euro, alternativ gibt es noch eine Variante mit klarem Hartglas und eine mit getöntem Hartglas für je 119,99 Euro. Das reguläre Define 7 startete hingegen ab 164,99 Euro.

Ein Budget-Case ist das Compact-Modell also nicht wirklich, allerdings ist zum Testzeitpunkt der Straßenpreis bereits knapp unter die 100-Euro-Grenze gefallen*. Ein vergleichbarer Midi-Tower der Konkurrenz ist beispielsweise das Pure Base 500 DX von be quiet! (Test). Der Hersteller bewirbt es sowohl als kleinstes Modell der Define 7-Serie als auch als Nachfolger des Design C aus 2016.

Lieferumfang

  • Fractal Design Define 7 Compact
  • zweites Top-Cover
  • Montageschrauben
  • Kabelbinder
  • Mikrofasertuch
  • Bedienungsanleitung

Design und Verarbeitung

Das Design des Define 7 Compact ist identisch zum normalen Define 7 (Test). Im Vergleich ist es 120 Millimeter kürzer und 30 Millimeter schmaler. Die Front ist neuerdings geschlossen, es gibt also keine Tür oder gar einen Laufwerksplatz mehr. Mit den Maßen von 210 x 474 x 427 Millimeter ist das Compact-Modell eindeutig als ein kleinerer Midi-Tower einzustufen, jedoch ist es bei weitem nicht so kompakt wie ein reines mATX- oder ein mITX-Gehäuse. Mainboards mit ATX-Formfaktor oder kleiner werden kompromisslos unterstützt.

Seitenansicht des Fractal Design Define 7 Compact
Seitenansicht des Fractal Design Define 7

Fractal Designs Define 7 Compact bringt rund 9,2 Kilogramm auf die Waage und besteht aus Stahl, Aluminium und Kunststoff. Uns stand die Variante mit dunkel getöntem Hartglas zur Verfügung. Es ist nur in Schwarz verfügbar, was für einen Großteil der Zielgruppe wohl auch wünschenswert ist, aber in Silber oder Weiß würde das Case vermutlich ebenfalls sehr gut aussehen.

Optisch bleibt der Midi-Tower angenehm minimalistisch. Bei genauem Hinsehen sticht einzig die gebürstete Aluminium-Front hervor, die übrigens schnell Fingerabdrücke anzieht. Wie auch bei den restlichen Define-Gehäusen hat sich der Hersteller für eine schlichte Kastenform entschieden. Unten links auf der Front ist dezent ein kleines Herstellerlogo eingeprägt. Ebenso ist auf der Netzteilabdeckung ein Logo sowie ein Fractal-Schriftzug vorhanden.

Auf der Oberseite befinden sich eine runde Power-Taste, eine kleine Reset-Taste sowie mehrere Anschlüsse. Zweimal USB 2.0, zweimal USB 3.0 und sogar ein USB-C-Port mit USB 3.1 (max. zehn Gbit/s) sind vorhanden. Zudem gibt es dort noch zwei 3,5-Millimeter-Klinkenanschlüsse für Kopfhörer und Mikrofone.

Der Hersteller stattet das Case mit drei Nylon-Staubfiltern aus, die auf der Front sowie Ober- und Unterseite sitzen. Gegenüber Staubfiltern aus Plastik sollen sie eine zweimal bessere Luftzirkulation ermöglichen. Beim werksseitig montierten Top-Case, dem rechten Seitenteil und linken Seitenteil (nicht bei den Hartglas-Versionen) kommt Bitumen-Dämmmaterial zum Einsatz.

Alle Außenseiten, außer natürlich die Rückseite, sind mit Clips befestigt und somit leicht und ohne Werkzeug abnehmbar. Das Entfernen und Anbringen der Seitenteile geht zuverlässig mit nur einer Hand vonstatten. Die Verarbeitung ist auf einem sehr hohen Niveau, denn es wackelt oder klappert überhaupt nichts am Fractal Design Define 7 Compact. Scharfe Kanten oder sonstige Mängel konnten wir ebenfalls nicht feststellen.

Innenraum und Installation

Standardmäßig sind im Gehäuse zwei Lüfter vorhanden, ein 140-Millimeter-Lüfter auf der Vorderseite und ein 120-Millimeter-Lüfter auf der Rückseite. Insgesamt können sieben 120-Millimeter-Lüfter verbaut werden, alternativ ist auch der Einsatz von vier 140-Millimeter-Lüftern mitsamt zwei weiteren 120ern möglich. Zahlreiche Montageoptionen für All-in-One-Wasserkühlungen bietet das Case ebenfalls.

Frontseitig lassen sich Radiatoren in Größen von 120 bis 360 Millimeter platzieren. Beim Einsatz von Radiatoren mit 140 oder 280 Millimetern ist eine maximale Breite von 145 Millimetern vorgegeben. Des Weiteren lässt sich an der Oberseite ein 120er- oder 240er-Radiator montieren. In letzterem Fall dürfen die Mainboard-Komponenten höchstens 40 Millimeter hoch sein. Zur einfachen Montage lässt sich die Metallplatte für die Wasserkühlung entfernen. Setzt ihr hingegen auf einen Luftkühler für den Prozessor, darf dieser nicht höher als 169 Millimeter sein.

Bezüglich Grafikkarten ist eine maximale Länge von 341 Millimetern vorgegeben. Selbst in Kombination mit einem in der Front montierten Radiator sollten sogar besonders große Grafikkarten wie etwa eine Asus ROG Strix 2080 Ti passen. Wie sieht es bezüglich Speicheroptionen aus? Hinter der Backplate sitzen ab Werk zwei Brackets für 2,5-Zoll-Laufwerke. Unter der Netzteilabdeckung können Besitzer vorne zudem zwei weitere Laufwerke mit 2,5 oder 3,5 Zoll verbauen. Durch optional erhältliche Brackets sind auch noch zwei zusätzliche 2,5-Zoll-Plätze auf der Netzteilabdeckung möglich. Ohne Werkzeug lässt sich allerdings weder eine Festplatte noch eine SSD befestigen.

Das Gehäuse bietet Platz für ein bis zu 200 Millimeter langes Netzteil. Für Kabelmanagement gibt es hinter der Backplate sechs Klettverschlüsse sowie gummierte Kabelführungen. An der breitesten Stelle gibt es 28 Millimeter Platz für Kabel, hinter dem Mainboard jedoch deutlich weniger. Neun Befestigungspunkte für Kabelbinder gibt es übrigens auch. Auf eine Lüftersteuerung und die Option für eine vertikale Grafikkartenplatzierung hat Fractal Design gegenüber den größeren Modellen verzichtet. Vertikale PCIe-Slots gibt es also nicht, doch eine solche Positionierung der Grafikkarte sollte dennoch mit entsprechenden Montage-Kits möglich sein.

Kühlung und Lautstärke

Bei den beiden vorinstallierten Lüftern handelt es sich um Fractals Dynamic X2. Die 140-Millimeter-Variante läuft mit maximal 1.000 Umdrehungen pro Minute, die 120er-Variante mit bis zu 1.200. Sie sollen besonders leise sein, der Hersteller gibt einen Schallpegel von unter 20 Dezibel an. Tatsächlich sind sie im Betrieb meist nicht zu hören, einzig bei voller Auslastung machen sich die bewegten Luftmassen akustisch bemerkbar. Vor allem der Chipsatz-Lüfter im System übertönte die Gehäuse-Lüfter.

Die Front und das werksseitig montierte Top-Case sind geschlossen, einzig an zwei Seitenschlitzen kommt von der Vorderseite Luft ins System. Der einzelne 120-Millimeter-Lüfter hat offenbar Mühe, die Abwärme aus dem Gehäuse zu befördern und vorne gelangt wenig Frischluft herein. In Kombination mit einem normal großen CPU-Kühler und einer großen Grafikkarte sorgt dies nicht gerade für berauschende Temperaturwerte. Dies ist ein Kompromiss, den viele Silent-Gehäuse aufweisen.

Für den Testvorgang nutzten wir einen Ryzen 5 3600 mit einem be quiet! Dark Rock Slim (Test) sowie eine Asus ROG Strix RTX 2070 OC. Selbige Kombination kam unter anderem bereits beim Test des Sharkoon Pure Steel RGB White zum Einsatz. Im Leerlauf wurde die CPU circa 49 Grad warm und die GPU 33 Grad. Mit dem offenen Top-Cover lagen die Werte bei 37 beziehungsweise 36 Grad. Unter Last mit Prime95 und Furmark wurde das System jedoch ziemlich heiß. Der Prozessor erreichte mit geschlossenem Top-Cover 95 Grad und die GPU 74 Grad. Nach dem Wechsel zum offenen Top-Cover war die CPU lediglich drei Grad kühler. Bei voller Lüftergeschwindigkeit betrug die CPU-Temperatur 80 Grad.

Wir empfehlen daher eindeutig die Verwendung zusätzlicher Lüfter, gegebenenfalls sogar eines großen Radiators. Fractal Design hätte durchaus mindestens einen weiteren 140-Millimeter-Lüfter ab Werk verbauen dürfen.

Fazit

Mit dem Define 7 Compact gelingt Fractal Design eine überzeugende Kombination des Define C mit der Define 7-Serie. Größenbedingt gibt es natürlich Abstriche bei der Modularität und beim Platz gegenüber dem normal großen Modell. Die zahlreichen  Speichermontageoptionen der größeren Modelle dürften die allermeisten vermutlich sowieso nicht nutzen.

Die Temperaturen des Gehäuses sind nicht überragend, doch dafür bleiben die verbauten Lüfter im Betrieb sehr leise und Geräusche dämmt das Define 7 Compact effektiv. Das Silent-Case hätte dennoch einen zusätzlichen Lüfter vertragen können in Anbetracht der offiziellen Preise von rund 110 und 120 Euro. Aktuell ist das Compact-Modell ab knapp 99 Euro* verfügbar. Zusammengefasst ist das Preis-Leistungs-Verhältnis aber dennoch gut, denn Fractal Design punktet mit einer hochwertigen Verarbeitung und einfach abnehmbaren Seitenteilen.

Pro

  • kompakter Midi-Tower ohne sonderliche Einschränkungen bei der Komponentengröße
  • minimalistisches Design und gute Verarbeitung
  • einhändiges Anbringen und Abnehmen der Seitenteile möglich
  • USB-C-Anschluss

Contra

  • Standard-Lüfter bieten nicht viel Airflow
  • wenig Platz für Kabelmanagement

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