Die neue Force Series MP600 SSD ist Corsairs erste NVMe-SSD mit PCIe 4.0-Anbindung und gleichzeitig das erste PCIe 4.0-Laufwerk bei uns im Test. Zeit für ein neues Leistungswunder dank vierter PCIe-Generation?

Überblick

Das Schöne an der SSD-Technologie ist: Kaum droht es langweilig zu werden, gibt es eine neue Entwicklung, die noch mehr Leistung verspricht. Nachdem aktuelle Laufwerke das PCIe 3.0 Protokoll weitestgehend ausgereizt hatten und sich die verschiedene SSDs innerhalb ihrer Leistungsklasse nur noch marginal unterschieden, steht PCIe 4.0 genau zum richtigen Zeitpunkt vor der Tür.

Mehr theoretische Bandbreite bedeutet eine schnellere Anbindung des SSD-Speichers an die CPU und somit noch höhere Transferraten. Statt 3,94 GB/s bei Verwendung von vier PCIe 3.0-Lanes (PCIe 3.0 x4), kann PCIe 4.0 x4 nun Daten mit bis zu 7,88 GB/s übertragen. Für die SSD-Hersteller steht damit wieder Spielraum zur Verfügung, um noch schnellere Laufwerke zu entwickeln.

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Mit der neuen Force Series MP600 SSD steht nun die erste PCIe 4.0 basierte SSD von Corsair bereit, die wir uns im folgenden Test genau angesehen haben.

Corsair bietet seine PCIe 4.0-Hochleistungs-SSD in drei Kapazitätsstufen von 500 GB, 1 TB und 2 TB an. Wir haben das kleinste Modell mit 500 GB Speicherkapazität für unseren Test verwendet.

Die Technik der Force MP600 SSD

Bevor wir uns den Leistungstests widmen, wollen wir uns kurz mit den technischen Aspekten des ersten PCIe 4.0-Laufwerks aus dem Hause Corsair beschäftigen.

Angetrieben wird die neue NVMe-SSD von einem Phison PS5016-E16 Controller, der acht dedizierte Kanäle zur Anbindung des Flashspeichers bereitstellt. In Sachen NAND setzt der Hersteller bei der Force MP600 auf die aktuellste 3D-NAND-Generation von Toshiba, die den Namen Bics4 trägt. Angesprochen wird der Speicher im TLC-Verfahren, daher ist auch ein dynamischer SLC-Cache mit an Bord.

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Rein äußerlich ist der SSD ihre PCIe 4.0-Unterstützung nicht anzusehen – vom großen Aluminiumkühlkörper mit PCIe 4.0-Schriftzug mal ganz abgesehen. Ansonsten handelt es sich bei der Force MP600 SSD um ein normales M.2-Modul in 2280er-Bauweise mit NVMe 1.3 Anbindung.

Diese Kombination aus modernsten Komponenten und PCIe 4.0-Anbindung verspricht Transferraten von über 4 GB/s beim Lesen (ja, richtig gelesen: 4.000+ MB/s!).

Ausgeliefert wird das Laufwerk mit einer Garantie von 5 Jahren. Im Übrigen ist die SSD natürlich auch zu PCIe 3.0 abwärtskompatibel. Wer also noch kein passendes System hat, jedoch gerade eine neue SSD sucht, der kann also schon heute zukunftsorientiert zu PCIe 4.0-Laufwerken greifen.

In aller Kürze

Für alle unter euch, die es besonders eilig haben, hier die wichtigsten Daten der SSD kurz zusammengefasst.

Die Corsair Force Series MP600 SSD…

  • … ist mit einem Phison PS5016-E16 Controller ausgestattet.
  • … setzt auf modernen Toshiba TLC-NAND.
  • … wird mit 500 GB, 1 TB und 2 TB Speicherkapazität angebunden.
  • … ist erstmals mit PCIe 4.0 kompatibel und verwendet das NVMe 1.3 Protokoll.
  • … hat einen massiven Aluminiumkühlkörper für eine anständige Wärmeableitung.
  • … wird als M.2-Modul angeboten.
  • … besitzt eine TBW-Angabe von 900 TB (500-GB-Modell).
  • … kommt mit einer Garantie von 5 Jahren.

Leistungstest

Natürlich interessiert bei SSDs hauptsächlich die Leistung, die ein Laufwerk unter verschiedenen Bedingungen an den Tag legt. Daher haben wir die neue Corsair Force MP600 mit 500 GB verschiedenen Tests unterzogen. Theoretische Benchmarks kitzeln das Maximum aus dem Laufwerk heraus, während praktisches Testdurchläufe eine Einschätzung der Laufwerksleistung unter alltäglichen Bedingungen erlauben. Als Vergleich haben wir die Samsung SSD 960 EVO 512 GB, die Kingston A1000 480 GB, die ADATA XPG Gammix S11 480 GB, die Intel SSD 760p 512 GB, die ADATA XPG SX6000 Pro 512 GB, die Intel Series 660p SSD mit 512 GB sowie die WD Blue SN500 NVMe SSD 500 GB herangezogen.

Testsystem

  • Prozessor: AMD Ryzen 5 3600 3,6 GHz, Turbo Boost aktiv, SMT aktiviert
  • Mainboard: MSI MEG X570 Godlike
  • Kühler: Arctic Freezer 33 eSports One
  • RAM: 16 GB Patriot Viper Steel Series DDR4 4.000 MHz
  • Systemlaufwerk: Samsung SSD 970 Pro (500 GB)
  • Grafikkarte: KFA2 GeForce RTX 2080 EX
  • Betriebssystem: Windows 10 Professional x64
  • Netzteil: Enermax Platimax D.F. 600W

Wir haben die folgenden Benchmark-Tools verwendet:

  • HD Tune PRO 5.75
  • A.S. SSD Benchmark 2.0
  • Crytsal Disk Mark 7 x64
  • ATTO Disk Benchmark 4.01.0f1
  • Futuremark PCMark 8
  • Adobe Reader
  • iTunes
  • WinRAR 5.1

*mit anderem Testystem (Intel Skylake / Intel Coffee Lake) getestet.

Erklärung zu den Diagrammen: Wenn ihr die Maus auf einen Balken bewegt, wird euch der Produktname und die erreichte Punktzahl angezeigt. Um die Ansicht übersichtlicher zu gestalten, könnt ihr für euch uninteressante Produkte mit einem Klick auf den Produktnamen unterhalb des Diagramms ausblenden.

Synthetische Benchmarks

Synthetische Benchmarks bringen die Laufwerke an ihre Leistungsgrenzen – die dargestellten Situationen entsprechen aber häufig nicht den Alltagsbedingungen, denen eine SSD ausgesetzt ist. Da jeder Benchmark gleich aufgebaut ist, bieten sie dennoch eine sehr gute Vergleichbarkeit der verschiedenen Laufwerke.

A.S. SSD Benchmark

Der A.S. SSD Benchmark misst die sequenziellen Schreib- und Leseraten einer SSD. Darüber hinaus werden Zugriffszeit und Transferraten beim Zugriff auf kleine Dateien gemessen. Ein integrierter Kopier-Benchmark simuliert das Kopieren von ISO-Dateien, Programmen und Computerspielen und misst dabei die Transferraten. Unseren Erfahrungen nach sind die Ergebnisse sehr praxisnah, da mehrere Durchläufe gemittelt werden.



ATTO Disk Benchmark

Wenn es darum geht die maximale Schreib- und Lesegeschwindigkeit einer SSD zu ermitteln, ist der ATTO Disk Benchmark ein zuverlässiges Tool. Die Leistung wird anhand verschiedener Blockgrößen gemessen, die wir in Blöcken von vier Kilobyte bis acht Megabyte dargestellt haben. In der Praxis sind die abgebildeten Werte allerdings fast nie zu erreichen und werden von den Herstellern gerne als Werbemittel eingesetzt. Das ATTO Disk Benchmark verwendet komprimierbare Daten, was vor allem SandForce Chipsätzen zu Gute kommt.








HD Tune PRO

Die Software HD Tune PRO misst neben den schon erwähnten Parametern ebenfalls die Geschwindigkeit beim Zugriff auf verschiedene Dateigrößen. Dieser Test ist bei SSDs sehr interessant, da vor allem viele kleine Dateien (z.B. 4 KB Blöcke) einen schwachen Controller schnell aus der Bahn werfen. Die Transferraten brechen dann bis auf wenige KB/s ein und es kommt zu Verzögerungen beim Dateizugriff. Gemessen wurden die Blockgrößen 512 Byte, 4 KB, 64 KB, 1 MB sowie der zufällige Zugriff auf alle Arten von Blockgrößen.






Real Benchmarks

Wesentlich interessanter für die spätere Benutzung einer Solid State Disk als Systemlaufwerk sind die Real-Tests. Wie der Name schon sagt, überprüfen dieser Art von Test die Leistung der SSDs unter alltäglichen Bedingungen. Dazu gehören beispielsweise Setup-Routinen, Virenscans oder das Öffnen mehrere Programme zum gleichen Zeitpunkt. Während dieser Testdurchläufe wurde das entsprechende Laufwerk als Systempartition verwendet, auf der Windows 10 PRO x64 lief.

Programm-Installationen

Wie die Überschrift schon wiedergibt, haben wir mehrere Setup-Routinen durchlaufen lassen und die dafür jeweils benötigte Zeit der SSD festgehalten. Als Software diente uns hierfür das PCMark 8, iTunes sowie der Adobe Reader.


Anwendungs-Tests

Bei den Anwendungs-Tests wurde überprüft, wie schnell das getestete Laufwerk mit alltäglichen Aufgaben fertig wird. Als plastisches Beispiel haben wir uns das Öffnen der Programme Avira, Firefox, itunes, PCMark 8 und Acrobat Reader herausgesucht.



Bewertung der Ergebnisse

Wie anfangs schon erwähnt, sind die ersten Produkte mit neuen Technologien im SSD-Segment immer besonders spannend. Die Corsair Force MP600 ist da keine Ausnahme. Stürzen wir uns also direkt in die Interpretation der gemessenen Ergebnisse im Leistungstest.

Beim sequenziellen Lesen von Daten kann die Force MP600 mit 500 GB direkt zeigen, was sie kann. Mit Transferraten von deutlich über 4.100 bis zu 4.900 MB/s zeigt die SSD sehr eindrucksvoll, was wir in Zukunft von PCIe 4.0 basierten SSDs erwarten können. In dieser Disziplin ist die Force MP600 den anderen PCIe 3.0-Laufwerken im Vergleich natürlich konkurrenzlos überlegen.

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Auch beim sequenziellen Schreiben ist das Laufwerk extrem schnell und erreicht konstant Werte zwischen 2,3 und 2,5 GB/s. Das hier nicht die 4 GB/s-Grenze durchbrochen wird liegt daran, dass die 500-GB-Version der MP600 nur bis 2.500 MB/s schreiben kann. Diesen Wert erreicht sie dafür aber konstant. Wer PCIe 4.0-Power auch beim Schreiben benötigt, der muss zur 1- oder 2-TB-Variante der MP600 greifen.

Beim sequenziellen Lesen und Schreiben nicht-komprimierbarer Daten nähert sich die SSD den Werten anderer PCIe 3.0 SSDs an, ist aber im Schnitt immer noch deutlich schneller. Wir sprechen hier dann von circa 2 GB/s beim Lesen und Schreiben.

Betrachten wir die zufälligen Zugriffe auf verschiedene Blockgrößen, profitiert die SSD natürlich vor allem bei größeren Blöcken von der hohen PCIe 4.0-Bandbreite. Insgesamt ist die Force MP600 ab 64-KB-Blöcken deutlich schneller unterwegs als die Vergleichslaufwerke. Die 4 GB/s werden circa ab 1 MB Blockgröße durchbrochen. Wieso das Laufwerk auch beim Schreiben so schnell ist, können wir uns nur mit dem SLC-Cache erklären, der die Daten in kleinen Mengen schneller als die beworbenen 2.500 MB/s wegzuschreiben scheint.

Bei den Anwendungstests relativiert sich der PCIe 4.0-Vorsprung erwartungsgemäß. Die Softwareinstallationen und die Ausführung verschiedener Programme geht auch mit der Force MP600 sehr zügig, die SSD ordnet sich hier aber mittig in das sehr enge Testfeld ein. Das macht auch Sinn, denn in diesen Fällen kann das Laufwerk nicht (so sehr) von der erhöhten Bandbreite profitieren, die PCIe 4.0 bereitstellt.

Corsair Force MP600 500GB Wärmebild

Dank des enormen Kühlkörpers – der die SSD im Übrigen ungeeignet für den mobilen Einsatz im Notebook macht – bleiben die Temperaturen auch unter Volllast im grünen Bereich. Maximal 51 Grad haben wir in der Gegend des Phison Controllers gemessen.

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Fazit

PCIe 4.0-SSDs sind da! Und zwar mit einem Knall. Die Force MP 600 ist das erste PCIe 4.0 Laufwerk von Corair und um so besser ist es zu sehen, dass die SSD direkt voll überzeugen kann.

Das gilt sowohl für die sehr gute Verarbeitung der SSD und ihres großzügigen Aluminium-Kühlkörpers als auch für die extremen Transferraten im Lesebetrieb. Mit deutlich über 4.000 MB/s lassen sich Daten von der SSD lesen und auch beim Schreiben ist das 500-GB-Modell zügig unterwegs.

Wem bisherige PCIe-Highend-SSDs also „zu langsam“ waren, der dürfte mit PCIe 4.0-Anbindung nun endlich voll auf seine Kosten kommen. Zu beachten ist dabei nur: Spaß macht das Spiel erst so richtig, wenn man Daten zwischen zwei Corsair Force MP600 hin- und her kopieren kann. Grundvoraussetzung ist natürlich ein Rechner mit PCIe 4.0 Support.

Bleibt noch die preisliche Betrachtung. Wer hier einen extremen Preisanstieg gegenüber PCIe 3.0-SSDs erwartet, den können wir beruhigen. Für knapp 142 Euro gibt es das von uns getestete 500-GB-Modell* der Force MP600 bereits zu kaufen – mit 5 Jahren Herstellergarantie. Zum Vergleich Samsungs SSD 970 EVO 512 GB kostet zurzeit knapp 136 Euro, die Intel SSD 760p Series 512 GB gibt es ab 104 Euro und ADATA XPG SX6000 Pro 512 GB ist ab 65 Euro erhältlich.

Damit ist die Corsair Force MP600 500 GB zwar absolut gesehen teurer, für den gebotenen Leistungsanstieg ist dieser Preis in unseren Augen trotzdem mehr als gerechtfertigt.

SSDs
Allround-PC.com
11/2019
Corsair Force MP600 PCIe 4.0 SSD 500GB
Empfehlung

Pro

  • extreme Transferleistung beim Lesen
  • PCIe 4.0 kompatibel
  • fairer Preis
  • solider Toshiba NAND
  • effektiver Kühlkörper
  • 5 Jahre Garantie

Contra

  • viel zu hoch für Einsatz im Notebook

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